Darum sind Geldanlagen für Frauen besonders wichtig
Wir Frauen leisten überdurchschnittlich viel unbezahlte Arbeit und leben länger als Männer. Gleichzeitig sind unsere Löhne tiefer und unsere Renten niedriger. Höchste Zeit, etwas zu ändern – zum Beispiel in Form intelligenter Geldanlagen.
Investieren ist noch immer Männersache: Während rund 30 % der Schweizer Männer regelmässig Geld in Aktien investieren, sind es bei den Schweizer Frauen nur rund halb so viele. Dabei ist es gerade für Frauen besonders wichtig, dass sie ihr Geld anlegen. Warum ist das so?
1. Frauen leben länger als Männer
Die Statistiken sind eindeutig: Frauen leben rund vier bis fünf Jahre länger als Männer. Damit das Geld auch im hohen Alter ausreicht, müssen sie entsprechend besser vorsorgen.
2. Niedrige oder sogar negative Zinsen vernichten Ersparnisse
Frauen lieben ihr Sparkonto – und lagern ihr Geld deshalb besonders gerne dort. Das Problem: Auf dem Sparkonto wächst das Geld kaum. Aktuell liegt die Verzinsung für Erwachsene praktisch bei 0 %, je nach Kontostand können sogar Negativzinsen anfallen. Hinzu kommt die Inflation, die unsere Kaufkraft schmälert. Bei einer jährlichen Inflationsrate von 1,5 % bedeutet das: Wenn du im Januar 1'000 Franken auf dem Sparkonto liegen hast, liegt deine Kaufkraft Ende Jahr nur noch etwa bei 985 Franken, den Rest hat die Inflation vernichtet. Während das Sparkonto im aktuellen Umfeld somit ein regelrechter «Geldfresser» ist, bieten die Kapitalmärkte auch langfristig positive Alternativen: So lag zum Beispiel die jährliche Rendite des MSCI All Country World Index über die letzten 20 Jahre bei 4 %, jene des Swiss Performance Index sogar bei 6 % p.a.
3. «Gender Pay Gap»: Frauen verdienen weniger als Männer
Schweizer Frauen verdienen im Schnitt rund 19 % weniger als ihre männlichen Kollegen. Während 56 % dieses «Gender Pay Gap» durch sogenannte «objektive Kriterien» – wie das Jobprofil, die Ausbildung oder die Branche – erklärbar sind, gibt es für die restlichen 44 % nach wie vor keine nachvollziehbare Begründung. Diese Lohnunterschiede sind nicht nur unmittelbar problematisch – sie reissen langfristig riesige Lücken in die berufliche Vorsorge der Frauen.
4. «Gender Pension Gap»: Frauen haben Lücken in ihrer beruflichen Vorsorge
Teilzeit, Care-Arbeit und Karrierepausen: Frauen reduzieren ihre Erwerbstätigkeit deutlich öfter als Männer und nehmen Lohneinbussen in Kauf. Das schadet ihrer beruflichen Vorsorge. Dieser Graben zwischen Männern und Frauen – auch bekannt als «Gender Pension Gap» – ist in der Schweiz schwindelerregend tief: Die Renten der Frauen sind hierzulande rund 37 % als diejenigen der Männer. Pro Jahr sind das im Schnitt rund 20'000 Franken, die im Alter zum Leben fehlen. Eine beeindruckende Zahl, die es zu verringern gilt – genau darüber spreche ich auch mit Finanzfabio in seinem Podcast.
5. Frauen sind im Trennungsfall weniger gut abgesichert
In der Schweiz liegt die Scheidungsrate seit Jahren bei rund 40 %. Kommt es zu einer Trennung, bleibt die Betreuung der Kinder meistens Frauensache: In ganzen 77 % der Fälle übernehmen die Mütter den Grossteil der Kinderbetreuung, wie eine Studie von Swiss Life zeigt. Bis 2020 wurden Frauen nach einer Scheidung bis zu ihrer Pensionierung noch durch Unterhaltszahlungen finanziell unterstützt. Inzwischen hat das Bundesgericht einen wegweisenden Wechsel eingeläutet: Mittlerweile wird in jedem Fall einzeln geprüft, ob eine Ehe lebensprägend war und ob Unterhaltszahlungen geschuldet sind. Damit sind Frauen tendenziell nicht mehr so gut abgesichert – und müssen ihre Finanzen vermehrt selbst in die Hand nehmen.
Ähnlich – oder sogar noch verheerender – verhält es sich bei Trennungen im Konkubinat: Auch dann sind es vor allem die Frauen, die ihren Alltag der Kinderbetreuung unterordnen und deshalb Flexibilität und tiefere Arbeitspensen benötigen, während ihr Ex-Partner meist hochprozentig weiterarbeitet und damit seine Altersvorsorge sichert. Sind der Trennungsfall und die finanzielle Absicherung nicht schriftlich in einem Konkubinatsvertrag geregelt, geht die Frau leer aus, denn ihr Ex-Partner hat ihr gegenüber keine finanzielle Verpflichtungen.
Du siehst: Gerade wir Frauen sind es uns schuldig, unsere Finanzen nicht nur genau zu kennen, sondern auch langfristig abzusichern. Das kannst du auch – wichtig ist, rechtzeitig damit anzufangen
Was du tun kannst: In 5 Schritten zu langfristiger finanzieller Sicherheit
1. Finanzen gehen auch dich etwas an: Stärke deinen «Money Mindset»
Es ist nie zu früh, sich mit der eigenen Vorsorge auseinanderzusetzen. Deine Gesundheit, deine Familie und deine berufliche Weiterentwicklung sind dir wichtig? Dann ist es Zeit, auch deinen Finanzen Wertschätzung entgegenzubringen. Dabei geht es in erster Linie um deinen «Money Mindset»: Was verbindest du mit dem Thema «Geld» und welche Einstellungen und Fragen fallen dir dazu ein? Schreib sie auf und setze dir konkrete Ziele für ihre Beantwortung. So beginnst du, dich mit Finanzthemen auseinanderzusetzen. Du wirst sehen, es ist wie bei einer Fremdsprache: Je mehr du übst, desto sicherer wirst du. Damit du gleich loslegen kannst, habe ich dir das Wichtigste in einer Checkliste zusammengefasst.
2. Vorsorge ist auch heute schon wichtig: Befasse dich mit dem Schweizer Rentensystem
Unser Vorsorgesystem beruht auf drei Säulen – das ist dir bestimmt bekannt. Aber weisst du auch, wie du deinen Pensionskassenausweis richtig liest, wie du nach einem Unfall versichert bist, was mit deinen Pensionskassengeldern nach deinem Tod passiert und worauf du bei einer Scheidung achten solltest? Wenn du dir unsicher bist, solltest du dich dringend mit diesen Themen auseinandersetzen.
3. Eigeninitiative lohnt sich: Werde selbst aktiv
Grundsätzlich empfehlenswert ist es, dass du dich nie komplett aus dem Erwerbsleben zurückziehst. So zahlst du laufend in deine Pensionskasse ein und sicherst dir damit deine Rente.
Wie bist du bei deiner Pensionskasse genau versichert? Welche Leistungen erhältst du bei Teilzeitarbeit und wie wirkt sich das auf deine Rente aus? Frag bei deiner Pensionskasse nach und schau dir deinen Pensionskassenausweis genauer an. Pensionskassenleistungen sind mehr als ein Goodie: Wenn du also über einen Stellenwechsel nachdenkst, bevorzuge einen Arbeitgeber, der fortschrittliche Pensionskassenleistungen anbietet. Suche dir bei Frage und Unsicherheiten Unterstützung bei Profis, die sich täglich mit dem Thema auseinandersetzen.
4. Keine Angst vor Perfektion: Fang klein an
Ich vergleiche das Thema gerne mit Neugeborenen: Man muss nicht alles von Anfang an wissen und perfekt machen. Dasselbe gilt beim Investieren: Beginne mit kleinen Beträgen, probiere aus, sammle Erfahrung. Mit der Zeit wirst du sicherer und kannst deine Investitionen Schritt für Schritt erhöhen, ganz ohne schlaflose Nächte.
5. Dein Alltag ist schon zu voll? Hol dir Unterstützung
Ein übervoller Familienkalender, ein stressiges Projekt im Job – dazu Haushalt, Einkäufe und Verabredungen: Manchmal reichen 24 Stunden einfach nicht aus. Gleichzeitig merkst du: Es wäre eigentlich ganz gut, auch deinen Finanzen Aufmerksamkeit zu widmen. Ein solides Basiswissen ist wichtig, aber: Du musst nicht alles alleine machen. Hol dir seriöse Unterstützung von Profis, die dich entlasten – und dafür sorgen, dass dein Geld nicht nur heute, sondern auch in Zukunft besser aufgehoben ist als auf dem Sparkonto. Ich unterstütze dich gerne, zum Beispiel mit einem unverbindlichen Erstgespräch.
Über die Autorin
Melina Scheuber
Melina Scheuber ist zertifizierte und unabhängige Finanzexpertin mit über 20 Jahren Praxiserfahrung in der Schweiz. Ihre Mission: Frauen und Familien dabei zu unterstützen, ihr Vermögen gezielt aufzubauen und langfristig zu schützen. Damit schafft sie die Grundlage für das, was im Leben wirklich zählt: wertvolle Zeit mit den Liebsten und Raum, um Träume zu verwirklichen.