Investieren ist das neue Sparen
Niedrige Zinsen auf Sparkonten und immer neue digitale Möglichkeiten sorgen derzeit für einen regelrechten «Investment-Boom». Besonders für Frauen gewinnt das Thema an Relevanz und bietet Chancen, sofern man es bewusst angeht und auch die Risiken im Blick behält.
«Darf ich überhaupt erfolgreich sein?», «Verdiene ich es, mein eigenes Vermögen zu haben?», «Ist es in Ordnung, meinen Fokus auf mich und meine finanzielle Zukunft zu legen?»: Solche Fragen begegnen mir im Berufsalltag ständig. Ich höre sie von Frauen, die mitten im Leben stehen, im Job performen und glasklar denken – und trotzdem ein Money Mindset an den Tag legen, das zeigt, wie stark gewisse Glaubenssätze in uns wirken. Leider ist Geld noch immer ein Tabuthema.
Ich glaube: Nicht das Geld an sich sollte im Vordergrund stehen, sondern das, was Geld möglich macht. Damit meine ich Selbstbestimmung, finanzielle Unabhängigkeit und Sicherheit. Dazu gehört, sich aktiv mit Investitionen und Geldanlagen auseinanderzusetzen.
Warum überhaupt investieren?
Viele Frauen denken, dass sie sich mit Geld zu wenig auskennen, um es zu investieren. Sie trauen sich bei Finanzthemen zu wenig zu, übertragen das Dossier an ihre Männer oder lassen ihr Geld dort, wo sie Sicherheit und Stabilität vermuten, jedoch gleichzeitig auf Rendite verzichten: Auf dem Sparkonto. Das Ergebnis: Nur rund 15 % der Frauen in der Schweiz investieren regelmässig Geld. Bei den Männern sind es doppelt so viele. Diese Lücke nennt man auch «Gender Investment Gap» – und sie schadet uns Frauen genauso wie der «Gender Pay Gap» und der «Gender Pension Gap».
Warum ist das so? Die Gleichung ist einfach: In der Schweiz leben Frauen im Schnitt rund drei bis vier Jahre länger als Männer. Gleichzeitig erhalten wir oft geringere Löhne als unsere männlichen Kollegen und arbeiten häufiger Teilzeit oder machen Jobpausen, um Care-Arbeit zu leisten. Das Problem: Die Rechnung kommt meist sehr verzögert, nämlich im Falle einer Trennung oder im Pensionsalter. Ich sehe es in meinen Beratungen: Genau in diesen Lebenslagen fehlt den Frauen das Geld am häufigsten, und genau dann ist es sinnvoll, auf eine zusätzliche Geldquelle zu setzen. Einkünfte aus Geldanlagen können helfen, Vorsorgelücken in der AHV oder in der Pensionskasse zu schliessen.
Ich bin überzeugt: Investieren ist gerade für uns Frauen ein Empowerment, weil es uns unabhängig, selbstbestimmt und langfristig handlungsfähig macht.
Noch etwas zum Sparkonto: Ich verteufle es nicht und ich glaube, dass es durchaus seinen Nutzen hat, nur eben gezielt. Als langfristige Geldanlage taugt es heute nicht mehr, denn die Inflation sorgt dafür, dass dein Geld unter dem Strich weniger wird – zu viel Vorsicht kostet also auf Dauer Rendite.
Investieren als Empowerment – wenn man die Risiken kennt
Seit der Corona-Pandemie ist Investieren zu einer Art Lifestyle geworden. Kurse, Apps und Social-Media-Accounts zu Finanzthemen boomen und es war noch nie so einfach und so günstig, Geld anzulegen.
Ich finde diese Entwicklung grundsätzlich positiv, insbesondere für Frauen. Gleichzeitig lohnt sich ein genauer Blick darauf, was dieser «Investment-Hype» wirklich bedeutet. Social Media hat den Zugang zu Finanzthemen sehr stark vereinfacht, gleichzeitig verbreitet sich Halbwissen heute genauso schnell wie gute Inhalte. Ich glaube deshalb, dass es sich lohnt, etwas Zeit in das eigene Finanzwissen und das «Money Mindset» zu investieren. Dazu braucht es keine Studiengänge oder trockene Fachbücher: Ein Podcast bei der Joggingrunde oder ein Blogartikel auf dem Arbeitsweg sind bereits ein solider Einstieg.
Auch bei den Anlagen selbst lohnt es sich, genauer hinzuschauen – vor allem, wenn man in eigener Initiative investiert oder auf unzuverlässige Quellen setzt. In meinen Beratungen sehe ich immer wieder Frauen, die bereits erste Investitionen getätigt haben, davon aber enttäuscht wurden. Die meisten Fehler wiederholen sich dabei immer wieder.
Fünf Anlage-Fehler, die ich immer wieder sehe
🚩 Alles in den MSCI World investieren (und das gleich mehrfach)
Der MSCI World ist ein weltweit bekannter Aktienindex, der die Wertentwicklung von rund 1’300 grossen und mittleren Unternehmen aus 23 entwickelten Industrieländern abbildet. Er gilt als «solide Basis» für den Vermögensaufbau, weil er einen breiten Teil der Weltwirtschaft abdeckt und keine Schwellenländer beinhaltet. Ein Exchange Traded Fund (ETF) auf den MSCI World kann durchaus ein sinnvoller Baustein sein, aber drei verschiedene MSCI-World-ETFs sind keine Diversifikation, denn sie enthalten oft dieselben Unternehmen. Wirkliche Streuung erreichst du nur, wenn du unterschiedliche Regionen, Sektoren und Währungen klug kombinierst.
🚩 Zu hohe Anteile in Schwellenländern investieren
(z. B. 60 % Emerging Markets + 40 % MSCI ACWI, beide in USD)
Der MSCI All Country World Index (ACWI) ist ein weltweit führender Aktienindex, der die Wertentwicklung von über 2'500 grossen und mittleren Unternehmen aus 23 Industrie- und 24 Schwellenländern abbildet. Grundsätzlich gilt: Zu hohe Anteile in Schwellenländern erhöhen dein Risiko enorm, vor allem bei Währungsschwankungen. Dabei muss man wissen: Der MSCI ACWI enthält bereits Schwellenländer. Die Gewichtung ist damit doppelt und unausgewogen. Hinzu kommt: Wenn der US-Dollar so stark korrigiert wie im 2025, kann deine Performance trotz steigender Aktienmärkte spürbar geschmälert werden oder sogar negativ ausfallen
🚩 Das gesamte Vermögen auf zwei Einzeltitel verteilen (z. B. Microsoft und Google)
Aktien von Firmen wie Microsoft und Google liefen in den letzten Jahren sehr gut, nur: Beim Investieren sollte man nicht alles auf dasselbe Pferd setzen, auch wenn es gerade an allen anderen vorbeizieht. Wenn eines «deiner» Unternehmen einbricht (z. B. wegen Regulierungen, Skandalen oder Marktveränderungen), kann dein gesamtes Vermögen betroffen sein.
Ein bekanntes Beispiel ist die Credit Suisse: Über Jahrzehnte galt sie als eine der grossen, systemrelevanten Schweizer Banken. Trotzdem verlor sie 2023 innerhalb kurzer Zeit massiv an Vertrauen durch Skandale, Managementprobleme und Abflüsse von Kundengeldern und wurde schliesslich von der UBS übernommen. Viele Anleger haben so sehr viel Geld verloren. Genau deshalb ist breite Diversifikation entscheidend: Nicht einzelne Gewinner zählen, sondern die Stabilität des gesamten Portfolios.
🚩 Alles nur in Euro (oder in einer anderen Fremdwährung) investieren, trotz Wohnsitz in der Schweiz und Einkommen in Schweizer Franken
Hier droht ein massives Währungsrisiko, denn der Euro hat gegenüber dem Schweizer Franken über die letzten zwei Jahrzehnte rund 30-40 % an Wert eingebüsst. In diesem Fall kann es sein, dass du zwar in die «richtigen» Anlagen investierst, aber dennoch ein grosser Teil deiner Rendite durch Währungsverluste wieder aufgezehrt wird.
🚩 US-Produkte im Depot haben – ohne zu wissen, was das bedeutet
Was viele nicht wissen: Wer in US-Aktien oder ETFs investiert, hält damit unter Umständen sogenanntes US-Vermögen. Im Todesfall kann darauf die «US Estate Tax», also die amerikanische Erbschaftssteuer, anfallen. Für Nicht-US-Personen gilt zwar ein Freibetrag, darüber hinaus kann je nach Depotwert eine erhebliche Steuerbelastung entstehen. Dieses Risiko ist vielen nicht bewusst, lässt sich aber mit der richtigen Strukturierung und Planung gut berücksichtigen.
«Do it yourself» kann gut sein, aber nicht um jeden Preis
Ich bin ein grosser DYI-Fan und mag es, Dinge in die eigene Hand zu nehmen. Doch gerade beim Investieren ist die günstigste Lösung nicht immer die beste. Das gilt vor allem dann, wenn dabei wichtige Dinge übersehen werden, denn: Wer selbst investiert, trägt auch selbst die Verantwortung. Dazu gehören: strategisches Denken, seine Portfolios mit einem «Rebalancing» regelmässig auszugleichen, Währungsrisiken im Blick behalten, Produkte und Gebühren prüfen, auf Marktveränderungen reagieren und die rechtlichen Rahmenbedingungen verstehen und berücksichtigen.
Wenn du dein Geld investieren möchtest, solltest du dich daher nicht nur fragen, was eine Beratung kostet, sondern vor allem: «Was kostet es mich, wenn ich auf eine gute Beratung verzichte?». Eine unabhängige Finanzberatung, die wirklich auf deine Bedürfnisse und Ziele eingeht, kann hier viel bewirken.
Es ist mir ein grosses Anliegen, Frauen dabei zu begleiten, ihre negativen Geld-Glaubenssätze abzulegen. Und ich bin überzeugt: Auch du verdienst es, dein eigenes Geld zu haben, es zu verstehen und mit einem guten Gefühl zu verwalten. Ich sehe in meinen Beratungen immer wieder, wie viel sich verändert, wenn Frauen ihre Finanzen aktiv angehen: Sie gewinnen Klarheit und Selbstbewusstsein und entdecken einen völlig neuen Handlungsspielraum. Das ist oft der Beginn von echter finanzieller Unabhängigkeit.
Möchtest du starten? Melde dich bei mir für ein kostenloses und unverbindliches Erstgespräch.
Über die Autorin
Melina Scheuber
Melina Scheuber ist zertifizierte und unabhängige Finanzexpertin mit über 20 Jahren Praxiserfahrung in der Schweiz. Ihre Mission: Frauen und Familien dabei zu unterstützen, ihr Vermögen gezielt aufzubauen und langfristig zu schützen. Damit schafft sie die Grundlage für das, was im Leben wirklich zählt: wertvolle Zeit mit den Liebsten und Raum, um Träume zu verwirklichen.