7 Tipps, um im Alter und bei Unfall oder Krankheit finanziell abgesichert zu sein

Das Schweizer Rentensystem funktioniert wie ein Haus mit drei Säulen und sichert dich im Alter finanziell ab. Tritt durch Invalidität oder Tod ein Risikofall ein, erhalten entweder du oder deine Angehörigen finanzielle Leistungen. In diesem Artikel erfährst du, wie das genau funktioniert und wie du deine Vorsorge auf ein solides Fundament stellst.

Wenn du Ende Monat auf deine Lohnabrechnung schaust, siehst du verschiedene Abzüge, unter anderem für die AHV und deine Pensionskasse. Damit zahlst du automatisch in deine 1. und 2. Säule ein. Zusätzlich kannst du freiwillig in die 3. Säule einzahlen. Diese drei Säulen bilden das Fundament deiner Altersvorsorge. Sie sorgen dafür, dass du im Ruhestand ein Einkommen hast. Was viele jedoch nicht wissen: Alle drei Säulen leisten auch dann Beiträge, wenn du aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls arbeitsunfähig wirst, oder wenn du stirbst und deine Angehörigen finanziell abgesichert werden müssen. Im Fachjargon spricht man hier vom «Risikofall».

Soweit zur Theorie – aber weisst du auch, wie gut du im Alter und im Risikofall tatsächlich abgesichert bist? Wie hoch die Leistungen aus den drei Säulen ausfallen, hängt stark von deiner persönlichen Situation ab. Das bedeutet auch: Du kannst aktiv Einfluss darauf nehmen. Besonders wichtig ist eine genaue Analyse deiner Vorsorge, wenn du Teilzeit arbeitest, Kinder hast, im Konkubinat lebst oder einen Stellenwechsel beabsichtigst. In diesen Situationen entstehen besonders häufig Vorsorgelücken. Die folgenden 7 Tipps zeigen dir, wo du ansetzen kannst, um deine Altersvorsorge zu stärken und deine Risikoabsicherung zu verbessern.

1.     Vermeide oder schliesse Beitragslücken in der AHV

Die AHV sichert dir im Alter das Existenzminimum. Mit den Beiträgen, die du heute einzahlst, finanzierst du die Renten der heutigen Pensionierten und sparst somit nicht direkt für deine eigene Altersvorsorge. Das bedeutet auch, dass dein Einfluss auf die Leistungen der AHV sehr gering ist. Was du aber tun kannst: Sorge dafür, dass du möglichst wenige «Lückenjahre» hast, denn: Pro fehlendes Beitragsjahr wird deine Rente um 2,27 % (1/44) gekürzt. Eine Person mit zwei fehlenden Beitragsjahren erhält deshalb rund 4,5 % weniger AHV-Rente, ein Leben lang. Bei einer erwarteten monatlichen Rente von 2’400 Franken entspricht das über 100 Franken weniger pro Monat. Damit du eine volle Einzelrente erhältst, musst du während 44 Jahren lückenlos in die AHV einzahlen und ein durchschnittliches Jahreseinkommen von 90'720 Franken* verdienen.

—> Prüfe dein AHV-Konto regelmässig auf Lücken. Viele kantonale Ausgleichskassen haben Online-Schalter, die du dafür nutzen kannst. Zudem kannst du AHV-Beitragslücken innerhalb von fünf Jahren freiwillig ausgleichen, um lebenslange Rentenkürzungen zu vermeiden.

2.     Überprüfe die Leistungen deiner Pensionskasse regelmässig

Auf die Leistungen aus der 2. Säule hast du einen kleinen, aber trotzdem sehr gewichtigen Einfluss. Um diesen zu verstehen, braucht es einen genauen Blick auf die Besonderheiten dieser Säule. Dazu gehört der sogenannte Koordinationsabzug: Wenn du weniger als 22’680 Franken pro Jahr* verdienst, bist du in der Pensionskasse üblicherweise nicht versichert. Manche Firmen passen diese Eintrittsschwelle und den Koordinationsabzug jedoch an das Arbeitspensum an. Das bedeutet, dass ein grösserer Teil deines Lohns in der Pensionskasse versichert ist. Dadurch sparst du mehr Alterskapital und bist bei Invalidität oder Tod besser abgesichert. Mehr zum Thema sowie ein Rechenbeispiel findest du in diesem Blogartikel.

Ebenfalls wissenswert: Die gesetzlich vorgeschriebenen Sparbeiträge unterscheiden sich je nach Alterskategorie. Während eine 32-jährige Person 7 % ihres Einkommens in die Pensionskasse einzahlt, sind es bei einer 56-jährigen Person 18 %. Wenn du mit 32 ein versichertes Jahressalär von 60'000 Franken verdienst, dann sparst du jährlich 4'200 Franken für das Leben nach der Pensionierung.

Eine weitere Besonderheit der 2. Säule ist die Unterscheidung zwischen Obligatorium und Überobligatorium: Der obligatorische Teil deiner Pensionskasse betrifft Löhne bis 90’720 Franken*. Die Leistungen, die hier erbracht werden, sind gesetzlich geregelt und bei allen Pensionskassen gleich – ähnlich wie bei der Grundversicherung der Krankenkassen. Für Löhne über 90’720 Franken* gilt der überobligatorische Teil: Hier kann jede Arbeitgeberin frei entscheiden, welche Vorsorge- und Versicherungsleistungen sie ihren Mitarbeitenden bietet. Sie kann zum Beispiel je nach Rollen und Löhnen verschiedene Vorsorgepläne einrichten und unterschiedliche Leistungen festlegen. So kann es sein, dass du bei gleichem Lohn und gleicher Rolle im Unternehmen A mehr Geld ansparst und im Risikofall besser abgesichert bist als im Unternehmen B.

—> Lege deinen Pensionskassenausweis nicht einfach zu den Akten, sondern überprüfe deine Leistungen, insbesondere im überobligatorischen Teil. Je nach Lebenslage können auch Einkäufe in die Pensionskasse sinnvoll sein. Diese sollten im Vorfeld aber stets mit einer Spezialistin geprüft werden. 

3.     Nutze das volle Potenzial deiner 3. Säule für Rente und Steuern

Auf die Leistungen aus der 3. Säule hast du einen sehr grossen Einfluss, da du selbst bestimmst, wie viel und in welcher Frequenz du jedes Jahr einzahlst. Berufstätige mit Pensionskasse können maximal 7'258 Franken in die Säule 3a einzahlen, während Selbständige und Personen ohne Pensionskasse 20 % des Einkommens (oder bis zu 36'288 Franken) einzahlen dürfen. Gerade wenn du Teilzeit arbeitest oder in den anderen beiden Säulen Lücken hast, ist die 3. Säule eine tolle Möglichkeit, um trotzdem für das Alter vorzusorgen. Gleichzeitig kannst du deine jährliche Einzahlung in der Steuererklärung als Abzug geltend machen.
Wichtig ist, dass du die Kosten der verschiedenen Anbieter vergleichst und eine Investition deiner Gelder in Wertschriften prüfst. Der lange Zeithorizont deiner Investition reduziert das Risiko von Verlusten erheblich und verbessert dein Renditepotenzial.

—> Zahle regelmässig in deine 3. Säule ein – jeder noch so kleine Beitrag zählt! – und überprüfe Anbieter, Kosten und Anlagemöglichkeiten.


4.     Nutze Teilzeitpensen und Erwerbsunterbrüche, um deine Situation neu zu evaluieren

Überlegst du dir, dein Arbeitspensum zu reduzieren oder arbeitest du bereits Teilzeit? Informiere dich gut darüber, wie sich das auf deine Altersvorsorge auswirkt. In den meisten Fällen ist es sinnvoll, einen Teil deines Vermögens in Wertschriften anzulegen, um Vorsorgelücken auszugleichen, die durch Teilzeit oder Erwerbsunterbrüche entstehen. Parkiere nicht dein gesamtes Vermögen auf dem Sparkonto, denn dort sorgen Inflation und tiefe Zinsen dafür, dass dein Geld eher schrumpft als wächst. Tipps, wie du auch im Teilzeitpensum für eine solide Absicherung sorgen kannst, bekommst du in diesem Blogartikel.

Wenn du dich vorübergehend ganz aus der Arbeitswelt verabschiedest, trittst du aus deiner Pensionskasse aus. Dein Geld wird dann an eine Freizügigkeitsstiftung überwiesen. Je nach Dauer der Jobpause kann es sinnvoll sein, dein Geld dort zu lassen und es eventuell auch anzulegen. Der Vorteil eines solchen Freizügigkeitsdepots liegt darin, dass dein Geld nicht umverteilt wird. Was es damit genau auf sich hat, erfährst du hier.

—> Berechne vor jeder Pensumsreduktion oder Erwerbspause, wie sich dein Entscheid auf deine AHV-, Pensionskassen- und 3.-Säule-Leistungen auswirkt und plane gezielt Gegenmassnahmen wie zusätzliche Absicherung durch Versicherungen oder Investitionen in Wertschriften.

5.     Prüfe, welche Leistungen du bei Invalidität oder Tod tatsächlich erhältst

Alle drei Säulen deiner Vorsorge enthalten einen Risikoteil, der im Ernstfall Leistungen an dich oder deine Angehörigen auszahlt. Dies tritt ein, wenn du aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls nicht mehr arbeiten kannst oder wenn du stirbst. Während die Leistungen der 1. Säule gesetzlich festgelegt sind, kann die 2. Säule insbesondere im überobligatorischen Teil stark variieren: Dein Arbeitgeber entscheidet, welche zusätzlichen Leistungen im Todesfall oder bei Invalidität gewährt werden. Auch in der 3. Säule hast du teilweise Gestaltungsspielraum, abhängig vom Anbieter und gewählten Versicherungsoptionen.

—> Prüfe, wie hoch die Leistungen bei Invalidität oder Tod in deiner 2. und 3. Säule tatsächlich sind und ob diese ausreichen. Kläre ab, ob dein überobligatorischer Teil in der Pensionskasse eine zusätzliche Absicherung bietet oder optimiert werden kann. So stellst du sicher, dass du und deine Angehörigen im Risikofall finanziell abgesichert sind und kannst Lücken in deiner Vorsorge erkennen und schliessen.

6.     Berücksichtige bei einem Stellenwechsel immer das Gesamtpaket

Vielleicht bist du bereit für eine neue berufliche Herausforderung und hast ein Vorstellungsgespräch in Aussicht? Herzlichen Glückwunsch! Bestimmt überlegst du dir schon erste Fragen zu Rolle, Team und Lohn. Sprich deine Interviewpartner unbedingt auch auf die Leistungen der Pensionskasse an, denn diese können je nach Unternehmen stark variieren.

Du hast es in den vorherigen Tipps gelesen: Deine Vorsorge umfasst nicht nur deine Altersrente, sondern auch Leistungen bei Invalidität und im Todesfall. Besonders in der 2. Säule variieren diese je nach Arbeitgeber, Plan und Salär: Manche Arbeitgeberinnen bieten zusätzliche Leistungen, während andere lediglich das gesetzlich vorgeschriebene Minimum einhalten. Vielen Menschen fehlt diesbezüglich der Gesamtüberblick: Die wenigsten Erwerbstätigen in der Schweiz wissen, wie hoch ihr tatsächliches Pensionskassenkapital tatsächlich ist und kaum jemand interessiert sich für die Leistungen ausserhalb der Altersrente.

—> Informiere dich über Altersrente, Invaliditäts- und Todesfallleistungen in allen drei Säulen, vergleiche Pläne bei Arbeitgeberwechseln und identifiziere Lücken, die du kompensieren kannst.

7.     Analysiere deine eigene Situation regelmässig und hol dir Unterstützung

Deine Vorsorge ist nicht in Stein gemeisselt. Sie verändert sich mit deiner Lebenssituation. Es lohnt sich deshalb, immer wieder einen Blick darauf zu werfen, besonders bei Jobwechseln, Pensumsreduktionen und Arbeitsunterbrüchen. Veränderungen sind immer auch eine Chance für eine bessere Zukunft – das gilt auch bei der Vorsorge. Wenn du dir unsicher bist oder Fragen hast: Hol dir Unterstützung bei einem Profi.

—> Nutze jede Veränderung, um deine Vorsorgesituation neu zu definieren und hole dir bei Bedarf professionelle Unterstützung.

Du siehst: Das Schweizer Vorsorgesystem bietet je nach Situation verschiedene Hebel, die du aktivieren kannst, um dich selbst und deine Angehörigen abzusichern. Hast du Fragen oder brauchst du professionelle Unterstützung für deine nächsten Schritte? Kontaktiere mich für ein unverbindliches Erstgespräch – ich nehme mir gerne Zeit, um deine Situation und deine finanzielle Sicherheit mit dir zu besprechen.

* Sämtliche Zahlen beziehen sich auf den Stand von 2026.

Über die Autorin

Melina Scheuber

Melina Scheuber ist zertifizierte und unabhängige Finanzexpertin mit über 20 Jahren Praxiserfahrung in der Schweiz. Ihre Mission: Frauen und Familien dabei zu unterstützen, ihr Vermögen gezielt aufzubauen und langfristig zu schützen. Damit schafft sie die Grundlage für das, was im Leben wirklich zählt: wertvolle Zeit mit den Liebsten und Raum, um Träume zu verwirklichen.

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Pensionskasse: 11 Fachbegriffe einfach erklärt

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