Wie Teilzeitarbeit deine Altersvorsorge schmälert – und was du dagegen tun kannst

Job, Kinderbetreuung, Haushalt, Pflege von Angehörigen, Vereinsarbeit: Frauen leisten enorm viel. Trotzdem spiegelt sich dieser Einsatz in ihrer Rente oft kaum wider. Viele Frauen merken erst spät, dass Lücken in der Altersvorsorge ihre finanzielle Unabhängigkeit heute und im Alter einschränken. Wenn du die Hintergründe kennst und so früh wie möglich handelst, kannst du deine finanzielle Situation langfristig stabilisieren.

Kennst du das? Der Tag beginnt mit einem Kind, das seine Schuhe nicht anziehen will, und endet mit einer langen Einkaufsliste. Dazwischen liegen ein anspruchsvolles Projekt im Job sowie die Koordination von Terminen, Mails und Verpflichtungen. Besonders in der Lebensphase, in der sich Beruf und Familie überschneiden, ist die Belastung hoch. Im Alter zahlt sich dieser Einsatz jedoch oft nicht aus. Viele Frauen haben nach ihrer Pensionierung zu wenig Geld: Im Schnitt sind ihre Rentenleistungen satte 31,2 % tiefer als diejenigen der Männer, was jährlich rund 16’400 Franken ausmacht. Warum das so ist, hat mehrere Gründe.

Warum Frauen im Alter das Geld fehlt

1. Frauen arbeiten öfter Teilzeit

60 % der Frauen in der Schweiz arbeiten Teilzeit. Viele von ihnen wählen dieses Modell bewusst, da eine Vollzeitstelle oftmals nur schwer mit Familienleben und Schulalltag vereinbar ist. Negative steuerliche Anreize für Zweiteinkommen, hohe Betreuungskosten und gesellschaftliche Rollenerwartungen tragen einen weiteren Teil dazu bei. Gerade in der Schweiz führt das dazu, dass Frauen neben ihrer bezahlten Arbeit auch viel anderes leisten. Dazu gehören neben der Kinderbetreuung auch die Pflege von Angehörigen oder freiwillige Vereinsarbeit. Man kann es nicht genug betonen: Auch diese unbezahlten Einsätze sind wertvolle Arbeit. Schaut man sich die Verteilung zwischen bezahlten und unbezahlten Tätigkeiten etwas genauer an, wird klar: Frauen stemmen den Löwenanteil der Arbeit, die nicht mit Geld honoriert wird. Gerade bei Paaren mit Kindern ist der Unterschied gross – das zeigen auch die Zahlen vom Bundesamt für Statistik . Während Männer 33 Stunden pro Woche für Haus- und Familienarbeit aufwenden, sind es bei Frauen über 53 Stunden.

2. Frauen verdienen weniger als Männer

Wer Teilzeit arbeitet, erhält automatisch weniger Geld – das versteht sich von selbst. In der Schweiz machen Frauen aus familiären Gründen zusätzlich häufiger Jobpausen als Männer und sind nach wie vor von Lohnungleichheiten betroffen, auch unabhängig von ihrem Beschäftigungsgrad. Der Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern – auch bekannt als «Gender Pay Gap» – beziffert sich auf 19 %. Für knapp die Hälfte dieses Gefälles fehlen nach wie objektive Begründungen. Entscheidend ist: Wer weniger bezahlte Arbeit leistet, zahlt auch weniger in die Altersvorsorge ein. In der AHV bedeutet jedes fehlende Beitragsjahr eine Rentenkürzung von 2,27 %. Für den Anschluss an eine Pensionskasse benötigt man ein Mindesteinkommen von 22'680 Franken (Stand 2026). Hinzu kommt der Koordinationsabzug, welcher sich bei Teilzeit zusätzlich negativ auswirkt. Der «Gender Pay Gap» entwickelt sich so über die Jahre zu einem «Gender Pension Gap»: Frauen erhalten neben geringeren Löhnen auch tiefere Renten als Männer.   

3. Frauen investieren nur zögerlich

Lagerst du deine Ersparnisse am liebsten auf dem Sparkonto? Dann bist du nicht allein: Frauen sind wenig risikofreudig, wenn es um Geldanlagen geht. Während rund 30 % der Männer in der Schweiz regelmässig Geld in Aktien investieren, sind es bei den Frauen nur rund halb so viele. Frauen haben öfter Angst vor Kursverlusten und ein geringeres Vertrauen in das eigene Finanzwissen. Sie möchten flexibel auf ihre Ersparnisse zugreifen können, um auf unerwartete Ausgaben zu reagieren – da erscheint das Sparkonto als eine sichere Wahl, die über die Jahre kaum infrage gestellt wird. Doch das vermeintlich sichere Sparkonto hat einen Nachteil: Niedrige Zinsen und Inflation verringern die Kaufkraft der Ersparnisse. Wenn du dein Geld überwiegend auf dem Sparkonto liegen lässt, verpasst du dadurch die Möglichkeit, dass es langfristig wächst: Über einen längeren Zeitraum kostet diese Vorsicht viel Geld.

4. Frauen leben länger – und brauchen daher auch länger Geld

Ein wichtiger Punkt, der oft vergessen geht: Frauen werden im Schnitt rund fünf Jahre älter als Männer. Ihre Altersvorsorge und ihre Ersparnisse müssen daher auch länger reichen. Gleichzeitig bedeutet eine längere Lebenserwartung auch, dass Frauen über die Jahre mehr Geld für Miete, Gesundheit oder Lebenshaltungskosten benötigen. Wie wir weiter oben gesehen haben, scheiden Frauen häufiger aus dem Erwerbsleben aus und verdienen weniger als ihre männlichen Kollegen. Insgesamt führt das dazu, dass Frauen nach ihrer Pensionierung häufiger in finanzielle Not geraten. Einer Umfrage von Pro Senectute zufolge sind in der Schweiz rund 300'000 Menschen von Altersarmut betroffen, Frauen fast doppelt so häufig wie Männer, weil viele von ihnen in tiefen Pensen tätig war und daher tiefere Einkommen und Renten erwirtschaftet hat.

Du siehst: Frauen begegnen auf ihrem Lebensweg besonders vielen Stolpersteinen, die ihnen das Leben im Alter erschweren. Die gute Neuigkeit ist: Du bist ihnen nicht ausgeliefert. Je früher du dich mit deinen Finanzen und deiner Absicherung beschäftigst, desto grösser sind deine Chancen auf ein sorgenfreies Leben, auch nach der Pensionierung.

Was du heute schon für deine Altersvorsorge tun kannst

1. Arbeite an deinem «Money Mindset» und bau Finanzwissen auf

Was bedeutet Geld für dich und welche Bilder und Fragen verbindest du damit? Deine Einstellung zu Geld beeinflusst direkt, wie du sparst, investierst und Entscheidungen triffst. Ein positives Money Mindset hilft dir dabei, langfristige Ziele wie Altersvorsorge oder private Projekte konsequent zu verfolgen, Risiken besser einzuschätzen und Chancen bewusst zu nutzen. Es gibt dir Kontrolle über deine Finanzen, reduziert Stress und legt den Grundstein für finanzielle Unabhängigkeit. Wenn du Geld als Werkzeug für Möglichkeiten statt als Tabuthema verstehst, kannst du deine Zukunft gezielt angehen.

Du musst keine Finanzexpertin werden, aber ein gewisses Grundwissen hilft dir dabei, kluge Entscheidungen für deinen Alltag und deine Zukunft zu treffen. Schon eine halbe Stunde pro Tag reicht, zum Beispiel als Podcast beim Sport oder beim Kochen.   


2. Verschaffe dir einen Überblick und überprüfe deine finanzielle Situation regelmässig

Wie wir weiter oben gesehen haben, arbeiten die meisten Frauen in der Schweiz Teilzeit. Ihr durchschnittlicher Beschäftigungsgrad liegt bei 50 %. Gleichzeitig empfiehlt die Schweizerische Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten (SGK), das Arbeitspensum dauerhaft nicht unter 70 % zu reduzieren, um Rentenkürzungen zu vermeiden. Frage dich deshalb immer wieder: Kannst du dein Pensum schrittweise erhöhen, um mehr in deine Altersvorsorge einzuzahlen? Welche Pläne verfolgst du und wie sieht deine aktuelle Situation aus? Erwartest du ein Kind und überlegst dir, was das für deine Finanzen bedeutet? Vielleicht stehst du auch vor einem Stellenwechsel oder spielst mit dem Gedanken, dich selbstständig zu machen oder ein Eigenheim zu kaufen? In jedem Fall ist es wichtig, dass du konkrete Ziele definierst und im Anschluss Schritte einleitest, um sie zu erreichen. Auch eine finanzielle Auslegeordnung und Budget sind sehr sinnvoll. So siehst du genau, wo du stehst, wie viel Geld du einnimmst und wofür du es ausgibst. Zudem erkennst du, wo du sparen kannst und wie viel für deine Ziele – etwa Altersvorsorge, Notfallreserven oder grössere Anschaffungen – übrig bleibt. Gleichzeitig hilft ein Budget, Schulden zu vermeiden, weil du nur ausgibst, was du tatsächlich zur Verfügung hast.


3. Beginne damit, dein Geld zu investieren

Wenn immer möglich ist sie ein «Muss»: Neben der AHV und der Pensionskasse bietet die Säule 3a eine ausgezeichnete Möglichkeit, Geld für deine Pensionierung anzusparen. Zudem kannst du deine jährliche Einzahlung von den Steuern abziehen. Beginne bereits in jungen Jahren mit Einzahlungen in die Säule 3a. Es ist nicht nötig, jedes Jahr den Maximalbetrag von 7'258 Franken (Stand 2026) einzuzahlen, auch kleine Beträge – zum Beispiel 100 Franken pro Monat – können dank des Zinseszinseffekts über die Jahre deutlich wachsen. Entscheidend ist, dass du regelmässig einzahlst. Wenn es finanziell schwierig ist, überlege gemeinsam mit deinem Partner oder deiner Partnerin, wie ihr die Einzahlungen gestalten könnt. Verheiratete Paare können jeweils in ihre eigene Säule 3a einzahlen und so doppelt von den steuerlichen Vorteilen profitieren. Unverheiratete Paare können ebenfalls in ihre eigene Säule 3a einzahlen, die Steuerersparnis gilt in diesem Fall für jede Person einzeln.

Wer sein Geld langfristig noch weiter wachsen lassen möchte, kann zusätzlich investieren. Dabei gilt: Die Börse ist kein Casino. Viele Menschen verbinden Investieren an der Börse mit Glücksspiel, ein bisschen wie das Drehen eines Rouletterads. Das ist ein Missverständnis, denn anders als beim Roulette basiert die Börse nicht auf Zufall, sondern auf wirtschaftlichen Entwicklungen, Unternehmenswerten und langfristigen Trends. Statt dein Geld auf dem Sparkonto zu lassen, solltest du unbedingt auch über Anlagesparpläne oder individuelle Anlagelösungen nachdenken. Diese eignen sich besonders, wenn du neben der Säule 3a weiteres Geld zur Verfügung hast. Historisch betrachtet haben Aktienanlagen über Jahrzehnte solide Renditen erzielt, auch wenn es kurzfristige Schwankungen gibt. Wer klug investiert, profitiert mit Geldanlagen wesentlich mehr als mit einem Sparkonto.

4. Hol dir professionelle Unterstützung

Du musst nicht alles alleine machen: Lass dich bei Bedarf von einem Profi begleiten. Als FIDLEG-regulierte Beraterin* mit langjähriger Erfahrung in der Kunden- und Anlageberatung unterstütze ich dich dabei, deine finanzielle Situation ganzheitlich zu analysieren und mit fundiertem Fachwissen die richtigen Entscheidungen zu treffen. Hast du Lust, den ersten Schritt in Richtung finanzielle Sicherheit zu gehen? Ich freue mich, in einem unverbindlichen Erstgespräch mehr über dich und deine Situation zu erfahren.


*Das bedeutet, dass ich in einem Beratungsregister eingetragen bin, das durch die FINMA autorisiert und überwacht wird. Durch diese Registrierung darf ich Beratungsdienstleistungen im Zusammenhang mit Finanzinstrumenten anbieten und hafte für meine Beratungen.

Über die Autorin

Melina Scheuber

Melina Scheuber ist zertifizierte und unabhängige Finanzexpertin mit über 20 Jahren Praxiserfahrung in der Schweiz. Ihre Mission: Frauen und Familien dabei zu unterstützen, ihr Vermögen gezielt aufzubauen und langfristig zu schützen. Damit schafft sie die Grundlage für das, was im Leben wirklich zählt: wertvolle Zeit mit den Liebsten und Raum, um Träume zu verwirklichen.

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Darum sind Geldanlagen für Frauen besonders wichtig